Kleine große Schritte – Jodi Picoult

Kleine grosse Schritte von Jodi Picoult

 “Wissen Sie, Ruth, nur weil wir so tun,

als ob der Fall nichts mit Rassismus zu tun hat,

bedeutet das nicht,

dass wir uns dessen nicht bewusst sind.” (S. 400)

 

 

 

Zum Inhalt:

Ruth Jefferson ist eine äußerst erfahrene Säuglingsschwester. Doch als sie ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihren Sohn berührt. Als sie eines Tages allein auf der Station ist und das Kind eine schwere Krise erleidet, gerät Ruth in ein moralisches Dilemma: Darf sie sich der Anweisung widersetzen und dem Jungen helfen? Als sie sich dazu entschließt, ihrem Gewissen zu folgen, kommt jede Hilfe zu spät. Und Ruth wird angeklagt, schuld an seinem Tod zu sein. Es folgt ein nervenaufreibendes Verfahren, das vor allem eines offenbart: den unterschwelligen, alltäglichen Rassismus, der in unserer ach so aufgeklärten westlichen Welt noch lange nicht überwunden ist …

Rezension:

Als ich das neue Buch von Jodi Picoult Kleine große Schritte im Bloggerportal entdeckte, wusste ich sofort, dass dieses Buch wieder ganz nach meinem Geschmack sein würde. Nicht nur weil Jodi Picoult einen unverwechselbaren Schreibstil hat, sondern vor allem, weil sie Dinge wagt anzusprechen, die oftmals totgeschwiegen werden.

In ihrem neuen Roman thematisiert sie den heutigen Rassismus in unserer modernen aufgeklärten Welt. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Ruth (Hebamme und Angeklagte), Turk (Vater des toten Babys) und Kennedy (Anwältin von Ruth) geschildert. Dies macht die Geschichte doppelt so interessant und abwechslungsreich. Besonders toll fand ich auch die Aufteilung des Buches, die die Autorin vorgenommen hat. So heißt die letzte Unterteilung, die in manchen Büchern auch als „Epilog“ benannt wird: Drittes Stadium – Nachgeburt.

“Aber ich weinte nicht wegen Davis Bauer, auch nicht wegen meiner Unehrlichkeit. Ich weinte, weil Kennedy die ganze Zeit über recht gehabt hatte – es kam nicht darauf an, ob die Krankenschwester, die sich um Davis Bauer kümmerte, schwarz, weiß oder violett war. Es kam nicht drauf an, ob ich versucht habe dieses Baby wiederzubeleben oder nicht. Nichts davon hätte etwas geändert.” (S. 413)

Ruth ist meines Erachtens eine ganz bemerkenswerte Persönlichkeit. Sie hat einen starken Charakter und verliert – trotz allem, was ihr passiert –  nie ihren Stolz und ihre Fähigkeit, das Gute in der Welt zu sehen. Sie lebt für ihren Beruf und für ihren Sohn Edison, dem sie ein weitestgehend sorgenfreies Leben ermöglichen möchte. Sie lehrt ihm, dass alle Menschen auf der Welt – unabhängig von ihrer Rasse und ihrer Hautfarbe – gleich sind. Diese Ansicht ist doch sehr erstaunlich, wenn man bedenkt, was ihr widerfährt.

Manche Szenarien waren meiner Meinung nach etwas „überspitzt“ dargestellt. So ist mir zum Beispiel die Szene im Gedächtnis geblieben, als Violett, die Tochter von Kennedy, das Kostüm der Prinzessin aus „Küss den Frosch“ haben möchte und ihre Omi davon überhaupt nicht begeistert ist.

Dieser Roman von Jodi Picoult hat mir wieder besonders gut gefallen, da er zeigt, dass alles auf der Welt vergänglich ist und dass sich ein Menschenleben von heute auf morgen verändern kann, wenn man in nur einem einzigen Augenblick die falsche Entscheidung trifft.

Vielen Dank an den C. Bertelsmann Verlag sowie an das Bloggerportal für das Leseexemplar!!!

Ich freue mich immer wieder, solche tollen Bücher zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Details:

Kleine große Schritte von Jodi Picoult
Roman
Übersetzung: Peschel, Elfriede
Originaltitel: Small Great Things
Verlag: C. Bertelsmann (2017)
Sprache: Deutsch
Gebunden, 592 S.
ISBN-13: 978-3-570-10237-4
Preis: 20,00 €
Kleine große Schritte – Jodi Picoult am Januar 8, 2018 ist bewertet mit 3.9 of 5

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